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Klicks, Codes ... Kollaps?

Das Tempo der Technologie ist rasant: Wie kann man Digitalisierung umsetzen ohne die Gesundheit von Menschen zu gefährden? Auf Einladung der Stabsstelle Landeskoordination Betriebliches Gesundheitsmanagement NRW haben Experten, Wissenschaftler und Praktiker trotz der Herausforderungen auch neue Chancen für die Arbeit 4.0 gesehen.

Tagung "Gesund in der digitalen Arbeitswelt" - Gruppenbild mit Minister Herbert Reul

Die Digitalisierung hat unsere Gesellschaft und unser Leben verändert. Die berufliche Tätigkeit der meisten Menschen ist schon lange und wird auch künftig digital geprägt sein. IT-basierte Prozesse sind inzwischen die Grundlagen nahezu aller Organisationen - auch der öffentlichen Verwaltung.
Am 6. November 2019 haben zirka 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Einladung des Ministers des Innern Herbert Reul bei der Tagung „Klicks, Codes… Kollaps? Gesund in der digitalen Arbeitswelt“ die Herausforderungen und Veränderungen diskutiert, die sich aus der aktuell vorangetriebenen Systematisierung von Digitalisierungsprozessen ergeben.

Die vortragenden Wissenschaftler berichteten über den neuesten Stand der Forschung in den Gesundheitswissenschaften, den Sozialwissenschaften, der Medizin und der Psychologie. Prof. Dr. Bernhard Badura, Dr. Oliver Heidinger, Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke, Prof. Dr. David Matusiewicz und Prof. Dr. Karlheinz Sonntag lieferten mit ihren teilweise gegensätzlichen Herangehensweisen an die Thematik wertvolle Impulse für die Diskussion unter den anwesenden Fachbesuchern, Führungskräften und Entscheidungsträgern. Sie kristallisierten mithilfe ihrer fachlich verschiedenartigen Ansätze jedoch immer das für eine digitalisierte Arbeitswelt wichtige Fazit heraus:

Der Mensch und seine sozialen Bedürfnisse müssen im Mittelpunkt stehen

Ob es sich um große, finanzstarke Firmen handelt, die den Bedürfnissen Ihrer Mitarbeiter bereits vorausschauend durch ärztliche Versorgung, Psychologische Beratungsteams, Betreuungsangebote für Angehörige oder Gesundheitsapps entgegenkommen oder um Arbeitgeber, die Angebote und Digitalisierungs- und Arbeitsprozesse erst noch konzeptionell formulieren: Arbeit 4.0 als hochgradig flexibilisierte berufliche Umgebung ist präventiv zu gestalten, damit sie nicht auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten geht.

Tagung Klicks, Codes, Kollaps - Rede Prof. Sonntag

Prof. Dr. Karlheinz Sonntag von der Universität Heidelberg legte den Zusammenhang zwischen oftmals als psychische Belastung wahrgenommenen Faktoren und deren negativer Auswirkung auf die Gesundheit dar. Diese Faktoren seien unter anderem schnelle Kommunikation, Multitasking, Arbeitsunterbrechungen und empfundener Stress. Durch die Digitalisierung befinde sich jedoch nicht nur die Arbeit, sondern auch das Menschenbild im Wandel –  das Empfinden von Sinn und Bindung gewinne dadurch auch im Arbeitsverhältnis eine neue Relevanz, so Prof. Dr. Bernhard Badura. Digitalisierung treffe auf Menschen, deren Bedürfnisse nach Bindung, Zugehörigkeit und sinnvoller Betätigung evolutionär verankert seien.

Reorganisation „Digitale Verwaltung NRW“ - Prozesse werden neu gedacht

In der Landesverwaltung mit circa 550 Behörden und all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden in naher Zukunft Prozesse und Arbeitsbedingungen neu strukturiert. Dies thematisierte Dr. Oliver Heidinger, Gruppenleiter Digital Governance im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW. Er wies insbesondere auf die Verantwortung der Führungskräfte hin. Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke, Beigeordneter für Personal und Gesundheit der Landeshauptstadt Düsseldorf betonte, dass eine erfolgreiche Digitalisierung auch den Wandel der Verwaltungskultur erfordere. Ein proaktives Changemanagement und darin der Schutz und die Förderung der Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seien unerlässlich.

Abschließend richtete Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan Gesundheit und Soziales an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management, einen Blick auf die Zukunfts- und Entwicklungsperspektiven des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Dabei ging er auf bereits schon heute sehr weit entwickelte und teils in großen Betrieben genutzte Hilfsmittel wie Gesundheitsapps, Wearables oder Webinare ein.

Die Beiträge aus dem Publikum sowie eine abschließende Paneldiskussion mit den Vortragenden zeigten zukünftige Fragestellungen sowohl zu Qualitätskriterien, zur Nutzersicherheit aber auch zu positiven Möglichkeiten auf, die sich ohne Vernetzung von Daten bisher so nicht ergeben haben.

Betriebliches Gesundheitsmanagement in den Behörden neu aufgestellt

Tagung Klicks, Codes, Kollaps - Rede Minister Reul

Das Behördliche Gesundheitsmanagement muss auf die Herausforderungen der Digitalisierung mitarbeiter/innengerechte Antworten finden. In diesem Sinne erarbeitet die Stabsstelle Landeskoordination Betriebliches Gesundheitsmanagement Standards für das BGM, die mit den Gesundheitsmanagerinnen und -managern der Landesbehörden abgestimmt werden. Künftig gilt es, die wesentlichen Veränderungen im Blick zu behalten und die wichtigen Player in den Verwaltungen zu vernetzen. Die Tagung „Klicks, Codes ... Kollaps?“ hat den Beteiligten jene Fragestellungen verdeutlicht, die für die BGM-Zuständigen in- und außerhalb von Verwaltungen am dringlichsten erscheinen. So gilt weiterhin: Der Mensch und seine sozialen Bedürfnisse müssen im Mittelpunkt stehen.