SICHERHEIT
FÜR NORDRHEIN-WESTFALEN

Verkehrsunfallbilanz 2025: Weniger Tote, mehr Drogen am Steuer, mehr illegale Autorennen

11.03.2026

Das Ministerium des Innern teilt mit:

Weniger Getötete, mehr Drogen am Steuer und immer mehr verbotene Autorennen: Diese Entwicklungen prägen die Verkehrsunfallbilanz 2025 für Nordrhein Westfalen. Innenminister Herbert Reul stellte am Mittwoch, 11. März 2026, in Düsseldorf die aktuellen Zahlen zum Verkehrsgeschehen vor. Rund 656.000 Verkehrsunfälle und etwa 80.500 Verletzte wurden im vergangenen Jahr registriert. 479 Menschen sind im Straßenverkehr ums Leben gekommen (2024: 485). Es wurden deutlich mehr verunglückte Kinder und Jugendliche auf E-Scootern erfasst. Zudem wurde ein neuer Höchststand bei Unfällen unter Drogeneinfluss – vor allem mit Cannabis – registriert. Die Zahl der Toten infolge verbotener Kraftfahrzeugrennen ist so hoch wie noch nie seit Einführung des Straftatbestands.

Minister Reul: „Es sind in den seltensten Fällen ‚unglückliche Umstände‘, die zu Unfällen führen, sondern menschliche Fehler – ein kurzer Moment Unachtsamkeit, ein Griff zum Handy, Alkohol oder schlicht Rücksichtslosigkeit. Jeder Verletzte, jeder Tote im Straßenverkehr ist einer zu viel. Wer Drogen am Steuer und PS Rennen in der Innenstadt einfach hinnimmt, der spielt mit Menschenleben. Auch E-Scooter sind kein Spielzeug, darum haben Kinder darauf nichts verloren. Bei jeder Fahrt und in jedem Verkehrsmittel müssen Vorsicht und Umsicht mitfahren.“

Zentrale Unfallzahlen 2025 
2025 hat die Polizei 656.030 Verkehrsunfälle auf den Straßen in Nordrhein Westfalen registriert – rund 11.000 mehr als im Jahr davor. Dabei sind 81.231 Menschen verletzt oder getötet worden. Rund 70.500 Menschen wurden leicht, rund 10.000 schwer verletzt. 479 Menschen haben ihr Leben verloren – sechs weniger als im Vorjahr.

Verkehr wird dichter, vielfältiger, riskanter
Der Minister wies darauf hin, dass sich der Straßenverkehr deutlich verändert habe: „Er wird dichter, vielfältiger und damit komplexer.“ Heute teilen sich Autos, Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder, E Scooter, Motorräder und Fußgänger oft denselben, engen Raum. Neue Straßen und Wege kommen dagegen kaum hinzu. „Wo mehr Verkehr auf gleich viel Raum trifft, entstehen neue Konflikte – und diese Konflikte schlagen sich in den Unfallzahlen nieder“, so Reul.

Kinder auf Pedelecs: Hohe Zuwächse
Besonders ins Auge fällt der Bereich Radverkehr. Mittlerweile entfallen rund 34 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden auf Fahrräder oder Pedelecs – also mehr als jeder dritte Unfall. 106 Menschen sind dabei im vergangenen Jahr ums Leben gekommen – die höchste Zahl im Zehnjahresvergleich.

Auffällig ist ein hoher Anteil von Alleinunfällen. Kommt es zu Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern, sind Radfahrerinnen und Radfahrer häufig nicht die Verursacher: In rund zwei Dritteln der Fälle liegt die Hauptursache beim anderen Verkehrsteilnehmer, etwa wegen Vorfahrtsverstößen, Fehlern beim Abbiegen oder beim Einfahren in den fließenden Verkehr. „Hier würde es oft schon helfen, sich vor der Weiterfahrt einen Moment Zeit zu nehmen, den Kopf zu drehen und sich einen Überblick über die Verkehrssituation zu verschaffen“, sagte Reul.

Stark nach oben gegangen sind die Unfallzahlen bei Kindern und Jugendlichen auf dem Pedelec. Die stärksten prozentualen Anstiege verzeichnet die Bilanz bei den unter 14-Jährigen und den 15  bis 17 Jährigen. „Pedelecs sind längst kein ‚Seniorenfahrzeug‘ mehr“, so Reul. „Wer mit dem Pedelec unterwegs ist, erreicht Geschwindigkeiten, die er vom klassischen Fahrrad nicht gewohnt ist. Das verändert Fahrdynamik, Bremswege und Reaktionszeiten – und das muss man beherrschen.“

E Scooter: Viele Verletzte, viele Kinder betroffen
Deutlich zugenommen haben auch Unfälle mit E Scootern. „E Scooter gehören inzwischen fest zum Straßenbild“, sagte Reul. 2025 sind rund 3.900 Menschen mit einem E Scooter verunglückt – getötet oder verletzt –, ein Anstieg von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 96 Prozent der polizeilich erfassten E Scooter Unfälle gab es einen Personenschaden.

Rund 30 Prozent der Unfälle sind Alleinunfälle. Bei den Verursacherquoten hält sich das Bild die Waage: In etwa der Hälfte der Fälle liegt die Hauptursache beim E Scooter Fahrer, in der anderen Hälfte beim anderen Verkehrsteilnehmer. Wenn E Scooter Fahrerinnen und -Fahrer den Unfall verursachen, sind typische Ursachen Alkohol, die falsche Fahrbahn oder unangepasste Geschwindigkeit.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern: 566 unter 14-Jährige sind im vergangenen Jahr mit einem E Scooter verunglückt – ein Anstieg von 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Ich erinnere daran: E Scooter dürfen erst ab 14 Jahren gefahren werden. Ein E Scooter ist kein Spielzeug. Er ist ein Kraftfahrzeug. Wer damit unterwegs ist, bewegt sich mitten im Straßenverkehr – mit allen Regeln und Risiken,“ mahnt Reul

Verbotene Kfz Rennen: Höchststand bei Fällen und Toten
Ein weiterer Schwerpunkt der Bilanz sind verbotene Kraftfahrzeugrennen. Seit 2017 gibt es dafür einen eigenen Straftatbestand. 2025 hat die Polizei in Nordrhein Westfalen 2.384 verbotene Kfz Rennen registriert – der höchste Stand seit Beginn der Statistik. In 663 Fällen kam es infolge solcher Rennen zu Verkehrsunfällen. 19 Menschen sind im vergangenen Jahr nach verbotenen Kraftfahrzeugrennen ums Leben gekommen – so viele wie noch nie seit Einführung des Straftatbestands. „Wer unsere Straßen zur Rennstrecke macht, begeht keine Ordnungswidrigkeit. Er begeht eine Straftat“, stellte Reul klar.

Die Polizei schöpft alle Möglichkeiten aus, um diese Taten nachzuweisen und hat die Ermittlungsarbeit intensiviert. Unfälle werden von Spezialisten der Verkehrsunfallaufnahmeteams analysiert, Fahrzeugdaten aus Blackbox, Multimediasystem und Handy werden ausgelesen. „Wer sein Fahrzeug im Straßenverkehr wie eine Waffe benutzt, setzt Menschenleben aufs Spiel – und seine eigene Zukunft gleich mit: Führerschein weg, Auto weg und, wenn Menschen zu Schaden kommen, mehrjährige Freiheitsstrafen“, so der Minister.

Rückgang der getöteten Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer
Die Zahl der getöteten Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ist deutlich gesunken. 45 Menschen kamen 2025 bei Motorradunfällen ums Leben, im Vorjahr waren es noch 86 – ein Rückgang von über 47 Prozent und der niedrigste Stand im Zehnjahresvergleich. Gleichzeitig zeigt die Bilanz: Die Zahl der Leichtverletzten ist um 18 Prozent gestiegen, bei den Schwerverletzten gibt es einen leichten Anstieg von gut 3 Prozent. Rund 35 Prozent der Unfälle sind Alleinunfälle, bei denen der Fahrer ohne Beteiligung anderer die Kontrolle verliert; kommt es zu Kollisionen, liegt in 62 Prozent der Fälle die Hauptursache beim anderen Verkehrsteilnehmer. 
Innenminister Reul appellierte deshalb: „Motorradfahren ist Leidenschaft, aber es bleibt riskant: hohe Geschwindigkeiten, keine Knautschzone – ein kleiner Fehler kann reichen. Fahren Sie mit Köpfchen, tragen Sie gute und gut sichtbare Schutzkleidung und gönnen Sie sich nach der Winterpause ein Fahr- und Sicherheitstraining. Und alle anderen sollten mit Motorrädern rechnen – sie sind schnell, schmal und werden noch immer zu oft übersehen.“

Alkohol, Drogen und Cannabis
Große Sorge bereitet Reul auch die Entwicklung bei Unfällen unter Alkohol  und Drogeneinfluss. 2025 haben sich 4.404 Unfälle unter Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln ereignet. Den größten Anteil hat Alkohol mit 3.274 Unfällen, 1.130 Unfälle gehen auf andere berauschende Mittel zurück. Hier wiederum hat Cannabis mit 506 Unfällen den größten Anteil – ein Zuwachs um 23 Prozent und der höchste jemals erfasste Wert. Die Polizei hat 2025 so viele Verkehrsteilnehmer unter Drogeneinfluss festgestellt wie noch nie. In rund 25.000 Fällen gab es Hinweise auf Drogenkonsum und eine Blutprobe – ohne dass es bereits zu einem Unfall gekommen war.

Hier zu den Grafiken.


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