Drei Fragen an Banner

Herbert Reul

Minister Herbert Reul im Gespräch

Mehr Fälle, mehr Daten, mehr Ermittlungen

Welche Maßnahmen ergreift die Polizei gegen sexuellen Kindesmissbrauch?

Herbert Reul: Der Schlüssel liegt in mehr Personal und mehr Technik. Bei der NRW-Polizei haben wir nach dem Fall Lügde sukzessive bessere Rahmenbedingungen geschaffen, um den Missbrauch von Kindern zu bekämpfen. Wir haben die Zahl der Ermittler in diesem Bereich  innerhalb eines Jahres vervierfacht.

Wir haben einen neuen, landesweiten Standard für die IT-Arbeitsplatzausstattung zur Bearbeitung von Kinderpornografie festgelegt. Und wir haben Hochleistungsrechner zur Auswertung dieser Datenmengen angeschafft. Wir stecken bis 2021 insgesamt 32,5 Millionen Euro in neue Technik. Darüber hinaus haben wir aber auch die Strukturen hinterfragt und uns komplett neu aufgestellt.

Wie bewerten Sie den Anstieg der Ermittlungsverfahren?

Herbert Reul: Im März 2019 hatten wir 1895 Ermittlungsverfahren im Bereich Kinderpornografie und Kindesmissbrauch. Ein Jahr später, im März 2020, lagen wir bei 3709 Verfahren. Das ist schlimm und das ist toll zugleich. Auch wenn es angesichts des unfassbaren Leids für die Kinder komisch klingt: Diese Verdopplung ist in gewisser Weise auch ein echter Erfolg. Denn sie bedeutet:

Wir sehen besser hin. Und deshalb finden wir mehr. Wir kriegen mehr Täter und befreien mehr Opfer. Aber jetzt sind wir wieder in einem Dilemma. Mehr Fälle heißt auch: mehr Arbeit. Noch mehr Daten, noch mehr Ermittlungen. Weil aber auch die Ressourcen begrenzt sind, müsse wir Prioritäten setzen.

Stichwort Personal. Wie sehen Sie die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten?

Herbert Reul: Allein die psychische Belastung für die Polizistinnen und Polizisten ist enorm. Wir haben höchsten Respekt vor den Frauen und Männern, die täglich versuchen, diese Kinder zu retten. Wir alle sind diesen Menschen zu großem Dank verpflichtet. Weniger augenscheinlich ist, welchen ermittlungstaktischen Zwängen sie unterworfen sind.

Die Mengen von Daten sind schlicht nicht mehr darstellbar. allein im Fall Münster sind es nach aktuellem Stand 400 Terabyte. Das entspricht einem Schriftsatz von 2,6 Milliarden DIN A 4-Seiten. In diesen Datengebirgen müssen sie die Augen aufhalten, jede kleinste Sequenz ansehen, weil es sich hier ja um einen Hinweis auf ein Kind handeln könnten, das in diesem Moment noch missbraucht wird.

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