Grund der Beobachtung/Verfassungsfeindlichkeit

Zeitschriften sind seit langem ein zentrales Handlungsfeld im Rechtsextremismus. Sie sind das Meinungs- und
Informationssystem, das diese Szene braucht, um gemeinsam aktions- und strategiefähig zu bleiben. Außerdem
dienen sie der ideologischen Selbstvergewisserung. Diese Funktionen sind umso wichtiger, je mehr sich der
Rechtsextremismus ausdifferenziert und von informellen Strukturen geprägt ist. Medien transportieren ideologische
Elemente, aktuelle Kampagnenthemen und Begriffe in die vielfältigen Verästelungen des Rechtsextremismus. Sie
halten die Szene auf dem Laufenden und binden die Anhänger ein. Das geschriebene, vor allem das gedruckte
Wort hat auch symbolischen Wert: Es gibt rechtsextremistischen Botschaften scheinbares Gewicht, Substanz und
Dauerhaftigkeit.

Bis in die 1990er Jahre standen Zeitschriften im Vordergrund. Inzwischen haben Websites und vor allem das
Social Web den Printmedien weitgehend den Rang abgelaufen. Insofern ist es bemerkenswert, dass in den letzten
beiden Jahren mit der N.S. Heute und Reconquista zwei neue Ideologieorgane von Rechtsextremisten aus
Nordrhein-Westfalen herausgebracht wurden. Zwei weitere rechtsextremistische Zeitschriften, Unabhängige
Nachrichten und Recht und Wahrheit, stammen ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen und verfügen aufgrund ihrer
jahrzehntelangen Geschichte über einen gewissen Ruf und Einfluss innerhalb des Rechtsextremismus.